TRAINING (2.5.1)

Die Zeitschrift des Forums Biodiversität widmet sich aktuellen Themen rund um die Biodiversität, welche Forschende und Fachleute aus Verwaltung und Praxis beleuchten. Zweimal jährlich erscheint eine neue Ausgabe in Deutsch und Französisch.

Image: C.Schüssler, stock.adobe.com

«Zufriedene Mitarbeitende sind für Unternehmen wertvoll»

Naturnahe Grünflächen sind komplexe Systeme. Das Wissen über die richtige Pflege dieser Flächen muss man sich zuerst aneignen.
Naturnahe Grünflächen sind komplexe Systeme. Das Wissen über die richtige Pflege dieser Flächen muss man sich zuerst aneignen.
Naturnahe Grünflächen sind komplexe Systeme. Das Wissen über die richtige Pflege dieser Flächen muss man sich zuerst aneignen.Image: Familienheim-Genossenschaft Zürich
Image: Familienheim-Genossenschaft Zürich

Bastiaan Frich ist Geschäftsleiter der Stiftung Natur und Wirtschaft. Im Gespräch erläutert er, was Unternehmen dazu bewegt, ihre Firmensitze naturnah aufzuwerten.

INTERVIEW: URSULA SCHÖNI

Was ist die Hauptmotivation für Unternehmen, ihre Umgebung biodivers zu gestalten?
Eine naturnahe Umgebung steigert die Lebensqualität am Wohnort beziehungsweise am Arbeitsplatz. Das merkt man sofort, und Studien belegen es. Naturnahe Orte – vor allem in unserer direkten Umgebung – schenken uns Energie und fördern die Erholung und Gesundheit. Arbeitgebende profitieren, wenn ihre Mitarbeitenden die neu gestalteten Flächen gerne nutzen, sich daran erfreuen und dies auch zeigen. Zufriedene und gesunde Mitarbeitende sind ein wertvolles Kapital für jedes Unternehmen. Ich habe von CEOs gehört, dass Meetings im naturnahen Garten stattfinden, weil diese Umgebung die Kreativität anregt. Schlussendlich zahlt sich eine naturnahe Arbeitsplatzumgebung immer aus – in Franken und in Freude. Ausserdem ist eine biodiverse Umgebung auch eine Visitenkarte für Unternehmen. Haben Unternehmen die Biodiversitätsförderung in ihren Nachhaltigkeitsstrategien festgeschrieben, tragen die Flächen wesentlich und für alle sichtbar zu einem positiven Image bei.

Solche Praktiken dienen also auch dazu, das Vertrauen der Kundschaft und von Investorinnen und Investoren zu gewinnen?
Absolut, vor allem für Unternehmen, die tatsächlich auch vor Ort einen direkten Kontakt zu ihrer Kundschaft pflegen. Wenn die Aufwertungen zusätzlich von einer geeigneten Kommunikation begleitet werden, leisten diese Unternehmen zudem wertvolle Sensibilisierungsarbeit. Der Kommunikation sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Zwischen einer dezenten Informationstafel und einem feierlichen Anlass mit einem Apéro für die gesamte Nachbarschaft ist die Bandbreite gross, wie man ökologische Erfolge kommunizieren kann.

Gibt es auch Herausforderungen?
Für die Pflege naturnaher Flächen braucht es andere Kompetenzen als für die Pflege konventionell gestalteter Grünflächen. Der Aufwand nimmt zwar ab, weil man beispielsweise nicht mehr zwölfmal pro Jahr eine Rasenfläche mähen muss. Naturnahe Grünflächen sind aber komplexe Systeme, die anderes Wissen erfordern, das man sich zuerst aneignen muss. Wenn man sie nicht richtig pflegt, können sie schnell wieder degenerieren.

Wie unterstützen Sie die Unternehmen?
Unsere Kundinnen und Kunden bringen die Bereitschaft mit, ihre Areale aufzuwerten. Oft wissen sie einfach nicht genau wie. Auf einer Begehung beraten wir sie fachkundig und zeigen in einem Gutachten Potenziale auf. Erfüllt ein Areal unsere Kriterien, vergeben wir ein Gütesiegel dafür, welches fünf Jahre gültig ist. Auf Wunsch der Branche haben wir 2021 ein Vorzertifikat eingeführt, welches sehr geschätzt wird. Dabei prüfen wir Planungen vor der Umsetzung. Wenn die Vorgaben für eine spätere Zertifizierung nicht erfüllt sind, können wir frühzeitig beratend unterstützen. Das ermöglicht unseren Kundinnen und Kunden, mögliche Mehrkosten bei der Umsetzung oder im Unterhalt zu vermeiden und gleichzeitig einen Mehrwert für die Biodiversität zu schaffen.


Kontakt:
Weitere Informationen: naturundwirtschaft.ch