TRAINING (2.5.1)

Die Zeitschrift des Forums Biodiversität widmet sich aktuellen Themen rund um die Biodiversität, welche Forschende und Fachleute aus Verwaltung und Praxis beleuchten. Zweimal jährlich erscheint eine neue Ausgabe in Deutsch und Französisch.

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Natürlich gesund

Gesundheits- und Biodiversitätsförderung können und müssen vermehrt gemeinsam gedacht werden. Innovative Projekte zeigen bereits heute, dass nachhaltige Freizeitaktivitäten und Naturschutz harmonisch zusammenwirken können und sowohl der Umwelt als auch dem Wohlbefinden der Menschen zugutekommen.

VON NATHALIE BAUMANN UND DORIT VAN MEEL

Steht man auf dem Vuebelle-Gelände am Zürcher Hönggerberg, mag man sich gar nicht vorstellen, wie es zur selben Zeit auf dem Zwillingsareal des Bellevue-Platzes inmitten der urbanen Hektik zugeht. Das sich in der Umsetzung befindliche Projekt baut den belebten Bellevue-Platz im Herzen der Stadt im Massstab 1:1 nach - jedoch mit gänzlich natürlichen Materialien. Wo am Bellevue-Platz Ampeln ste- hen, gibt es auf dem Vuebelle-Gelände Masten mit dreifarbigen Vogelnistkästen. Gehwege, die über den Bellevue-Platz führen, werden durch Blühstreifen dargestellt.

Das Areal steht allen Besucherinnen und Besuchern offen, lädt ein zum Verweilen, Entspannen, Gärtnern und Selbst-kreativ-werden hinsichtlich der Frage, durch welche natürlichen Elemente die künstlichen Pendants ersetzt werden könnten. Auch für die Forschungsgruppen Grünraumentwicklung, Stadtökologie sowie Grün und Gesundheit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil bieten sich viele Anknüpfungspunkte, um die direkten Zusammenhänge zwischen Biodiversitätsförderung und menschlicher Gesundheit greif- und messbar zu machen.

Das Vuebelle bei Zürich ist Begegnungsort und entspricht in seinen Dimensionen dem Zürcher Bellevue-Platz. Als Modell für die Zukunft verbindet das Projekt Biodiversität, Erholung und Stadtgestaltung an der Schnittstelle zwischen Kunst, Gesellschaft und Ökologie.
Das Vuebelle bei Zürich ist Begegnungsort und entspricht in seinen Dimensionen dem Zürcher Bellevue-Platz. Als Modell für die Zukunft verbindet das Projekt Biodiversität, Erholung und Stadtgestaltung an der Schnittstelle zwischen Kunst, Gesellschaft und Ökologie.Image: Markus Schaub, Bee'n'Bee, Projekt Vuebelle
Das Vuebelle bei Zürich ist Begegnungsort und entspricht in seinen Dimensionen dem Zürcher Bellevue-Platz. Als Modell für die Zukunft verbindet das Projekt Biodiversität, Erholung und Stadtgestaltung an der Schnittstelle zwischen Kunst, Gesellschaft und Ökologie.
Das Vuebelle bei Zürich ist Begegnungsort und entspricht in seinen Dimensionen dem Zürcher Bellevue-Platz. Als Modell für die Zukunft verbindet das Projekt Biodiversität, Erholung und Stadtgestaltung an der Schnittstelle zwischen Kunst, Gesellschaft und Ökologie.Image: Markus Schaub, Bee'n'Bee, Projekt Vuebelle

Untrennbar verbunden
In einer Zeit, in der sowohl der Verlust der biologischen Vielfalt als auch die Herausforderungen für die menschliche Gesundheit weltweit zunehmen, rückt die Beziehung zwischen Biodiversität und Gesundheitsförderung in den Fokus von Wissenschaft und Gesellschaft. Doch was bedeuten diese Begriffe genau, und warum sind sie so eng miteinander verbunden?

Biodiversität beschreibt die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Diese Vielfalt ist bedroht - mit weitreichenden Folgen nicht nur für die Ökosysteme selbst, sondern auch für uns Menschen, da wir von den Leistungen dieser Ökosysteme abhängen. Hier kommt die Gesundheit ins Spiel. Diese wird von der Weltgesundheitsorganisation als ein Zustand des physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens definiert. Zur Gesundheitsförderung gehören nicht nur medizinische Interventionen, sondern auch umweltbezogene und gesellschaftliche Ansätze. Wie weitreichend unsere menschliche Gesundheit mit Biodiversität verbunden ist, soll anhand der folgenden Beispiele greifbar gemacht werden:

  • Ökosysteme, die von einer hohen Biodiversität geprägt sind, liefern essenzielle Dienstleistungen und Ressourcen für das menschliche Leben. Viele Ökosysteme mit hoher Biodiversität wirken beispielsweise als natürliche Barrieren gegen die Ausbreitung von Krankheiten (zum Beispiel Regulierung von Mückenpopulationen, die Krankheiten übertragen). Wichtig ist auch die Gewährleistung der Ernährungssicherheit: Ohne bestäubende Insekten könnte die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln nicht bewerkstelligt werden. Biodiverse Agrarlandschaften sind auch widerstandsfähiger gegen Schädlinge, Krankheiten und Klimaschwankungen. Und nicht zuletzt bietet die biologische Vielfalt medizinische Ressourcen. So werden viele Medikamente direkt oder indirekt aus Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen gewonnen.
  • Der Kontakt mit einer artenreichen und natürlichen Umgebung hat positive Effekte auf die psychische Gesundheit, beispielsweise bei der Stressreduktion. So können Aufenthalte in naturnahen Gebieten das Stressniveau senken und die Konzentrationsfähigkeit verbessern. Orte, in der die Farbe Grün stark vertreten ist und die eine hohe Biodiversität aufweisen, wirken besonders beruhigend und regenerierend. Bei der Prävention oder Behandlung von Depressionen kann Natur eine wichtige Rolle spielen, etwa in garten- und waldtherapeutischen Settings.
  • Auch die physische Gesundheit kann in biodiversitätsreicher Umgebung besser unterstützt werden: So stärkt der Kontakt mit einer Vielfalt von Mikroorganismen in natürlichen Umgebungen das Immunsystem und reduziert das Risiko für Allergien und Autoimmunerkrankungen. Feuchte Luft kann Asthmabeschwerden deutlich verringern, direkter Sonnenkontakt fördert die Bildung von Vitamin D, und die Fortbewegung auf unebenen Untergründen verbessert die Körperbalance und die Körperspannung.

Sport trifft Biodiversität
Die Förderung der Biodiversität ist mehr als ein Umweltanliegen; sie ist eine Voraussetzung für die langfristige Gesundheit der Menschen. Dies zeigt sich auch in der Gemeinde Aesch (BL), die für einen nicht mehr genutzten Fussballplatz eine neue Bestimmung gefunden hat: Wo früher der Ball rollte, steht heute das Trailcenter Aesch, eine moderne Übungsanlage für Mountainbiker- und bikerinnen. Von Anfängern bis zu Expertinnen finden hier alle die passende Herausforderung. Ziel der Anlage ist es, nicht nur den Fahrspass zu fördern, sondern durch die Verbesserung der Fahrtechnik auch Unfälle im Strassenverkehr und im Gelände zu verhindern.

Ein besonderer Fokus des Trailcenters liegt auf der Verbindung von Sport und Naturschutz. Neben den Trails wurden arten- und strukturreiche Naturflächen geschaffen, die Lebensraum für Insekten, Reptilien, Vögel und Säugetiere bieten. Diese Flächen sollen nicht nur die Artenvielfalt fördern, sondern auch einen bildungsorientierten Ansatz verfolgen: Biodiversität wird in die Bike-Schulungen integriert, um Bewusstsein für die Natur und deren Schutz zu schaffen.

Das Trailcenter Aesch versteht sich auch als Begegnungsort. Ein Aufenthaltsbereich mit Picknicktischen und Sitznischen lädt Besuchende jeden Alters dazu ein, Zeit im Freien zu verbringen. Zusätzlich wurde eine Infostation eingerichtet, die Besucherinnen und Besucher über die Bedeutung von Biodiversität und umweltfreundlichem Verhalten informiert. Diese Verbindung von Bildung, Sport und Natur macht das Trailcenter Aesch zu einem Leuchtturm- und Modellprojekt für nachhaltige Freizeitgestaltung. Und es beweist, dass Gesundheits- und Biodiversitätsförderung gemeinsam gedacht werden können und sollen.


Nathalie Baumann ist stellvertretende Leiterin der Forschungsgruppe Grünraumentwicklung an der ZHAW.

Dorit van Meel leitet die Forschungsgruppe Grün und Gesundheit an der ZHAW.

Kontakt: ,
Weitere Informationen: vuebelle.ch, trailnet-nordwestschweiz.ch