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Die Zeitschrift des Forums Biodiversität widmet sich aktuellen Themen rund um die Biodiversität, welche Forschende und Fachleute aus Verwaltung und Praxis beleuchten. Zweimal jährlich erscheint eine neue Ausgabe in Deutsch und Französisch.

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Aktionsplan Biodiversität Schweiz – Würdigung und Ausblick

Die erste Phase des Aktionsplans zur Strategie Biodiversität ist abgeschlossen, die zweite Phase hat begonnen. Die BAFU-Tagung 2024 bot einen Einblick in das bisherige Engagement unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure und beleuchtete ausgewählte Projekte. Der neue Aktionsplan ist nur eines von vielen Instrumenten, um die nationalen und internationalen Biodiversitätsziele zu erreichen. Weil der Erhalt der Biodiversität eine gemeinsame Verantwortung darstellt, braucht es das Engagement und die Zusammenarbeit aller Beteiligten.

VON GREGOR KLAUS

Trotz des Neins zur Biodiversitätsinitiative blickte die Direktorin des BAFU, Katrin Schneeberger, verhalten optimistisch in die Zukunft: «Das Abstimmungsresultat war kein Nein zur Artenvielfalt, sondern ein Ja zum eingeschlagenen Weg, den wir konsequent weitergehen werden.» Im November 2024 hatte der Bundesrat die zweite Phase (2025–2030) des Aktionsplans zur Strategie Biodiversität Schweiz verabschiedet. «In den vergangenen Jahren wurden Biotope ökologisch aufgewertet und wertvolle Grundlagen erarbeitet», sagte Schneeberger. «Wir dürfen all diese Leistungen nicht kleinreden, aber auch nichts beschönigen.» Sie unterstrich, dass die Erhaltung und Förderung der Biodiversität eine Verbundaufgabe ist und nicht nur das Geschäft des BAFU. «Biodiversität ist keine One-Office-Show!» Es gelte nun, Lücken in den Sektoren zu schliessen.

Pilotprojekte motivieren
Eines der Pilotprojekte aus der ersten Phase beschäftigte sich mit einem besonders faszinierenden, aber bisher wenig beachteten Lebensraum: den Quellen. Ziel war es, die Kantone und weitere Akteurinnen wie NGOs und Pärke so zu sensibilisieren, dass diese selbst aktiv werden und verbliebene Quell-Lebensräume erhalten und degradierte oder zerstörte Objekte revitalisieren. Dazu finanzierte das BAFU eine Beratungsstelle.

Das Projekt ist äusserst erfolgreich, wie eine externe Evaluation ergeben hat. Während 2019 erst wenige Kantone Quell-Lebensräume auf dem Radar hatten, liefen 2024 in fast allen Kantonen Projekte zur Inventarisierung, Erhaltung und Förderung von Quell-Lebensräumen. Neben der Beratungstätigkeit erarbeitet das Projektteam methodische und fachliche Grundlagen, verfasst Praxismerkblätter, gibt einen Newsletter heraus, bietet Exkursionen und Workshops an und optimiert das Datenmanagement.

Paradigmenwechsel eingeläutet
Eine zentrale und sektorübergreifende Massnahme der ersten Phase des Aktionsplans war die Konzeption einer landesweiten Ökologischen Infrastruktur. Hier waren die Kantone gefordert. Stellvertretend blickte Francesca Cheda vom Kanton Freiburg auf die Erfolge und Herausforderungen der letzten Jahre zurück.

Die wichtigsten Knoten des Netzwerks, die Biotope von nationaler Bedeutung, standen im Fokus der Sofortmassnahmen. «Diese ermöglichten es, lokale Erfolge zu feiern und den Abwärtstrend zu bremsen», sagte Cheda. «Die Aufwertungen geben dem Aktionsplan ein Gesicht und sind wichtig für die Moral der Akteurinnen und Akteure. Sie liefern einen wertvollen Motivationsschub, mehr zu tun.»

Francesca Cheda ist überzeugt, dass die Arbeiten zur flächendeckenden Planung der Ökologischen Infrastruktur einen eigentlichen Paradigmenwechsel eingeläutet haben, weil alle Sektoren einen Beitrag leisten müssen. Dank den zusätzlichen finanziellen Mitteln konnte Personal aufgestockt werden.

An der Tagung konnten auch weitere Behörden ihre Erfahrungen mit dem Aktionsplan präsentieren. Beim Eidg. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport haben Biodiversitätsstrategie und Aktionsplan den bereits bestehenden Programmen zur Förderung der Biodiversität Rückenwind gegeben. Auch beim Bundesamt für Verkehr hat der nationale Aktionsplan Biodiversität etwas ausgelöst, weil viel klarer wurde, was von den Bahnen im Rahmen der Gesetzgebung gefordert wird. Beim Bundesamt für Strassen hat der Aktionsplan die Grünflächen in den Fokus gerückt.

Der Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz ist eines von vielen Instrumenten, um die nationalen und internationalen Biodiversitätsziele zu erreichen. Anlässlich der BAFU-Tagung 2024 erfolgte eine Würdigung der ersten Phase des Aktionsplans und ein Ausblick zur zweiten Phase.
Der Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz ist eines von vielen Instrumenten, um die nationalen und internationalen Biodiversitätsziele zu erreichen. Anlässlich der BAFU-Tagung 2024 erfolgte eine Würdigung der ersten Phase des Aktionsplans und ein Ausblick zur zweiten Phase.Image: Gregor Klaus
Der Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz ist eines von vielen Instrumenten, um die nationalen und internationalen Biodiversitätsziele zu erreichen. Anlässlich der BAFU-Tagung 2024 erfolgte eine Würdigung der ersten Phase des Aktionsplans und ein Ausblick zur zweiten Phase.
Der Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz ist eines von vielen Instrumenten, um die nationalen und internationalen Biodiversitätsziele zu erreichen. Anlässlich der BAFU-Tagung 2024 erfolgte eine Würdigung der ersten Phase des Aktionsplans und ein Ausblick zur zweiten Phase.Image: Gregor Klaus

Bilanz aus Sicht des BAFU
Die Federführung bei der Umsetzung des Aktionsplans liegt beim BAFU. Hans Romang, Leiter der Abteilung Biodiversität und Landschaft, gab aus Sicht des Amtes eine Einschätzung zur ersten Phase. Wie die Tagungsbeiträge stellvertretend für die ganze Vielfalt an Massnahmen eindrücklich gezeigt hätten, wurden grosse Fortschritte erzielt. «Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, vor allem wenn man bedenkt, wo wir 2017 gestartet sind. Wir haben kein Strohfeuer entzündet, sondern das Fundament für die Zukunft gelegt», sagte Romang. Besonders bedeutend sei die deutliche Erhöhung der Mittel für Natur und Landschaft durch den Bund und das Nachziehen der Kantone. «Der Boost bei den Finanzmitteln war ein gewaltiger Fortschritt.»

Dank der Sofortmassnahmen seien die Fortschritte auch sichtbar gewesen und hätten das Herz der Menschen angesprochen, was für die Motivation aller Beteiligten sowie die Akzeptanz von weiteren Massnahmen enorm wichtig gewesen sei. Romang betonte aber auch, dass der Aktionsplan nur eines von mehreren Instrumenten zur Umsetzung der Strategie Biodiversität Schweiz ist.

Die Herausforderung ist es nun, das erarbeitete Wissen und die Instrumente auch anzuwenden, damit Wirkung auf der Fläche erzielt werden kann. Verbesserungsbedarf sieht Romang unter anderem beim Erwartungsmanagement: Der ausufernde partizipative Prozess bei der Erarbeitung des ersten Aktionsplans hatte eine Erwartungshaltung bei den Beteiligten geschaffen, die so nicht erfüllt werden konnte. «Jetzt sind wir ehrlicher: Wir zeigen viel klarer, was wir wirklich beitragen können, aber auch, was in der Verantwortung anderer Akteurinnen und Akteure steht.»

Ausblick auf den neuen Aktionsplan
Was alles im neuen Aktionsplan steckt, zeigte die Projektleiterin Christine Zundel vom BAFU. Sie betonte, dass die Umsetzung bereits beschlossener oder geplanter Massnahmen nicht nochmals im neuen Aktionsplan aufgeführt sind. Ziel sei es, bestehende Lücken mit den aktuell verfügbaren Mitteln zu schliessen. Dazu gebe es Massnahmen unter der Federführung des BAFU sowie Prüfaufträge an andere Bundesämter, um Massnahmen in ihren Zuständigkeitsbereichen zu entwickeln und umzusetzen. «Bei allen Massnahmen braucht es zudem die Bereitschaft möglichst vieler Akteurinnen und Akteure zur Mitarbeit», sagte Zundel.

Zum Abschluss blickte Hans Romang in die Zukunft. Die zweite Phase des Aktionsplans könne auf einer breiten und soliden Basis aufbauen. Viele Akteure und Akteurinnen seien schon im Boot und müssten nicht mehr abgeholt werden. Begriffe wie «Biodiversität», «Ökologische Infrastruktur» und «Verkehrsinfrastruktur» würden heute fast selbstverständlich in einem Satz verwendet. «Die Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, kann nicht generell beantwortet werden, weil die Antwort lediglich unsere persönliche Wahrnehmung und Einstellung widerspiegelt», sagte Romang.

Das BAFU hat sich für den zweiten Aktionsplan systematischer am nationalen und internationalen Zielrahmen der Biodiversität orientiert. Der Fokus liegt auf Massnahmen, die auch wirklich Wirkung erzielen und Hebeleffekte erbringen, so Romang. Man dürfe auch nicht vergessen, dass die finanzielle Lage der Schweiz angespannt ist. Es wäre naiv zu glauben und zu behaupten, dies hätte keinen Einfluss auf den Aktionsplan gehabt. «Mit dem Aktionsplan gehen wir aber Schritt für Schritt in die richtige Richtung.»


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