TRAINING (2.5.1)

Die Zeitschrift des Forums Biodiversität widmet sich aktuellen Themen rund um die Biodiversität, welche Forschende und Fachleute aus Verwaltung und Praxis beleuchten. Zweimal jährlich erscheint eine neue Ausgabe in Deutsch und Französisch.

Image: C.Schüssler, stock.adobe.com

Zweiter Blick auf die Biodiversität im Grünland

Die zweiten Erhebungsperioden der nationalen Monitoringprogramme Arten und Lebensräume Landwirtschaft-Espèces et milieux agricoles (ALL-EMA) und Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz (WBS) sind abgeschlossen. Die Daten wurden vertieft ausgewertet und dieses Jahr publiziert. Die Resultate erlauben erstmals belastbare Aussagen zur Entwicklung der Biodiversität in ökologisch wertvollen Lebensräumen. Im vorliegenden Artikel legen wir den Fokus auf Grünlandflächen, bei denen Massnahmen für die Biodiversität umgesetzt werden.

VON ARIEL BERGAMINI, ELIANE MEIER, JÉRÔME FREI UND GREGOR KLAUS

Im Schweizer Landwirtschaftsgebiet bleibt die Biodiversität auf tiefem Niveau stabil. Erfreulich ist der Blick auf die biodiversitätsfreundlich genutzten Flächen: Sowohl in den Biodiversitätsförderflächen (BFF) als auch in den Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung (TWW) gibt es hoffnungsvolle positive Signale für die Zukunft.

Massnahmen in TWW zeigen Wirkung
Das Bundesinventar der TWW von nationaler Bedeutung umfasst die verbliebenen artenreichsten Flächen im Grünland der Schweiz. Die 3951 Objekte bedecken 0,68 Prozent der Landesfläche. Davon liegen 44 Prozent auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche, 46 Prozent im Sömmerungsgebiet und rund 10 Prozent sind nicht-landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die allermeisten TWW sind auch BFF.

Die aus der Vegetation abgeleitete mittlere Nährstoffzahl in TWW geht schweizweit zurück, wie die Daten der WBS zeigen. Dies deutet auf eine Entwicklung hin zu nährstoffärmeren, ökologisch wertvolleren Standorten. Besonders markant ist dieser Trend in bisher nährstoffreichen Flächen der TWW ohne eigentliche lebensraumtypische Vegetation.

Parallel dazu ist die Fläche typischer TWW-Lebensräume um die Grösse des Sihlsees gewachsen. Diese räumliche Ausdehnung wird begleitet von einer Zunahme des Anteils an Lebensraumspezialisten und seltenen oder gefährdeten Arten – ein Indiz für eine funktional intaktere Biodiversität. Die positiven Entwicklungen lassen auf erfolgreiche Massnahmen im Naturschutzmanagement der Kantone sowie in deren Umsetzung durch Landwirte und Naturschutzorganisationen schliessen.

Doch die Bilanz ist nicht durchgehend positiv. In tiefen Lagen nahmen invasive gebietsfremde Pflanzenarten wie auch die Gehölzdeckung leicht zu. Hohe Verbuschungsraten wurden allerdings nur in wenigen Objekten festgestellt.

Auch Anzeichen des Klimawandels machen sich bemerkbar: Die Vegetation der TWW zeigt in allen Höhenlagen trockenere, und in tiefen und mittleren Höhenlagen auch wärmere Verhältnisse an. Während diese Entwicklungen in tiefen Lagen durchaus positiv sein können, sind sie in höheren Lagen eher negativ, weil dort die typische TWW-Vegetation in Zukunft langsam durch Tiefland-Arten verdrängt werden könnte.

Erfolge der BFF
BFF sind ein wichtiges Instrument der Agrarpolitik und spielen eine zentrale Rolle für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität in der Agrarlandschaft der Schweiz, wie die Daten von ALL-EMA zeigen. Sie bieten extensiv bewirtschaftete, oftmals strukturreiche Flächen, die zahlreichen Arten Lebensraum bieten. Besonders in BFF, die sowohl Bewirtschaftungsanforderungen (Qualitätsstufe I) einhalten als auch ein Minimum an Zeigerpflanzen und teilweise auch ein Minimum an biodiversitätsfördernden Strukturen aufweisen (Qualitäststufe II), zeigen sich positive Entwicklungen: Die Pflanzenzusammensetzung bewegt sich weiter in Richtung magerer, artenreicher Vegetation, lebensraumtypische Arten nehmen zu.

In BFF, in denen nur die geforderte Bewirtschaftung eingehalten wird, sind dagegen kaum Fortschritte nachweisbar, und ausserhalb der BFF bleibt der Zustand auf tiefem Niveau unverändert. Dies verdeutlicht die funktionelle Bedeutung der wertvollen BFF für die Ökologische Infrastruktur.

Die erzielten Fortschritte sind erfreulich, reichen jedoch nicht aus, um die angestrebten Umweltziele in der Agrarlandschaft zu erreichen. Ein zentraler erster Schritt wäre, dass mehr BFF besonders wertvolle Lebensräume enthalten, besser platziert, vernetzt und weiterhin ökologisch bewirtschaftet werden.

Nebst vernetzten, hochwertigen BFF ist jedoch auch eine standortgerechte, nachhaltige Bewirtschaftung der übrigen Flächen zentral. So profitieren Biodiversität und Landwirtschaft zugleich – durch Sicherstellung der Bestäubung, Wasserspeicherung, fruchtbarer Böden und vieler weiterer Ökosystemleistungen.

Wichtige Signale in den Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung (TWW), den Biodiversitätsförderflächen (BFF) im Grünland mit Qualitätsstufe II und dem übrigen Grünland nach zwei Erhebungsperioden der nationalen Monitorings ALL-EMA und WBS.
Wichtige Signale in den Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung (TWW), den Biodiversitätsförderflächen (BFF) im Grünland mit Qualitätsstufe II und dem übrigen Grünland nach zwei Erhebungsperioden der nationalen Monitorings ALL-EMA und WBS.Image: ALL-EMA und WBS
Wichtige Signale in den Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung (TWW), den Biodiversitätsförderflächen (BFF) im Grünland mit Qualitätsstufe II und dem übrigen Grünland nach zwei Erhebungsperioden der nationalen Monitorings ALL-EMA und WBS.
Wichtige Signale in den Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung (TWW), den Biodiversitätsförderflächen (BFF) im Grünland mit Qualitätsstufe II und dem übrigen Grünland nach zwei Erhebungsperioden der nationalen Monitorings ALL-EMA und WBS.Image: ALL-EMA und WBS

Ariel Bergamini arbeitet an der Eidg. Forschungsanstalt WSL und leitet dort die Gruppe Lebensraumdynamik und die WBS.

Eliane Meier arbeitet in der Forschungsgruppe Agrarlandschaft und Biodiversität bei Agroscope und ist Projektleiterin ALL-EMA.

Jérôme Frei ist beim BAFU für wichtige nationale Programme zum Monitoring der Biodiversität zuständig.

Gregor Klaus ist Redaktor von HOTSPOT.

Kontakt:
Weitere Informationen:
ALL-EMA
Wirkungskontrolle Biotopenschutz

Bergamini A, Ginzler C, Schmidt BR, Boch S, Ecker KT, Pichon NA, Bedolla A, Psomas A, Moser T, Dosch O, Holderegger R (2025) Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz (WBS): Zustand und Veränderungen in den Biotopen von nationaler Bedeutung nach zwei Erhebungsperioden. WSL-Bericht 174: 207 S.

+ Kurzfassung: Bergamini A, Ginzler C, Schmidt BR, Boch S, Ecker KT, Pichon NA, Bedolla A, Psomas A, Moser T, Dosch O, Holderegger R (2025) Resultate der Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz – Kurzfassung – Stand 2025. BAFU, Bern. 20 S.

Meier E, Lüscher G, Herzog C, Herzog F, Indermaur A, Winizki J, Knop E (2025) Veränderung der Biodiversität in der Schweizer Agrarlandschaft. Von der ALL-EMA-Ersterhebung (2015–2019) zur Zweiterhebung (2020–2024). Agroscope Science 209: 84 S.

Fokus dieser HOTSPOT-Ausgabe

Aus den Bundesämtern

Partners